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Manfred Kolb
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Musik

Haben Sie auch den Rhythmus im Blut? Können Sie sich ein Leben ohne Musik schwer vorstellen?

Nicht umsonst verbindet man viele Emotionen oder Stimmungen oft mit einer ganz bestimmten Musik. Musik spricht nämlich nicht nur den Hörsinn an - sie transportiert Stimmungen und buchstäblich Schwingungen.

Egal, ob klassische Opernmusik, schwermütige russische Balladen oder Jazzmusik - Musik ist in vielen Situationen ein idealer Begleiter... Oder können Sie sich ein romantisches Dinner ganz ohne Musik vorstellen? Oder einen dramatischen Film ohne die entsprechende Hintergrundmusik?

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Alsen – eine Brachschöpfung

 

Eine Rezension

 

Da liegt nun ein Gedichtband vor, versehen mit Fotos einer zerstörten Welt, die jedoch - und das ist das Frappierende dabei – das Innen nach Außen gekehrt und das Außen nach Innen gestülpt hat, wie die einzelnen Finger eines Handschuhes. Ein Fabrikgelände, aufgelassen, wie man oftmals das sieht und nicht nur in den Bereichen der ehemaligen DDR. Fabriken sterben genauso wie Menschen, wie Städte und Dörfer veröden und Landstriche sich verändern.

Man könnte nun sagen, das ist der Lauf der Welt und es gibt immer Versuche, aus einer Brache irgend etwas zu machen, wenn es sonst nichts ist, dann soll es wenigstens ein Museum werden. Auch ein Industriemuseum kann einer Aufgabe haben, einen Reiz ausüben.

Nun erleben wir gerade 2010 mit der europäischen Kulturhauptstadt Ruhrgebiet, wie ein riesiges Industriemuseum mit neuem Leben erfüllt wird. Daher noch ein weiteres? Natürlich stellen die beiden Autoren die Frage und stellen sich der Frage. Bedauern schwingt zeilenweise mit. Aber es gibt da welche, die haben bereits ein ganz anderes Leben in die Ruinen gehaucht: Die Graffiteure, die Weinbergschnecken,

die Birkenbäumchen, die Ratten.

Nun kommen zwei Poeten, Lyriker und stehen in einer Ruinenlandschaft und erleben, wie diese angeeignet wurde und wird. In den ersten Zeilen, den ersten Texten spürt der Leser so eine kleine Ahnung von Bedauern, dass die Graffitimaler – die Graffiteure wie sie genannt werden – ihre Anwesenheit dokumentierten, bis die beiden Dichter entdeckten, welche Schönheit, welche Kunstfertigkeit dahinter verborgen ist. Und ist einmal das Unbehagen des Bürgers vor verfremdeten Wänden abgelegt, dann kann Begeisterung aufkommen.

Ähnlich geht es dem Leser der Gedichte. Ist erst einmal das Unbehagen über die Verwendung einer Industriebrache als Gegenstand von Dichtung abgelegt, stellt sich Begeisterung ein. Dann werden die Worte, die gefunden wurden, um zu beschreiben, was eigentlich keiner Beschreibung mehr bedürfte, dann werden diese Worte ungewöhnlich zuerst, dann begreiflich und begrifflich. Es mag fallweise der Eindruck entstehen, die Autoren vermeiden fast zwanghaft jede Form von Attributen und Adjektiven, doch ist dahinter System und Konstrukt zu verstehen.

Die Ruinen der Industriearchitektur bedürfen einer Trümmersprache, einer Sprachzertrümmerung. Und wie die Natur, die Graffiteure, die Weinbergschnecken und die Ratten sich diese Brache eroberten, so fügen die beiden Autoren die Sprache wieder neu zusammen. Und es entsteht eine dichte, bilderreiche Sprache, die dem Objekt angepasst ist.

Es wäre unfair und unpassend aus den vierzig Gedichten eines oder einzelne hervorzuheben, die Gedichte haben erreicht, die Industriebrache Alsen so darzustellen, wie sie vorgefunden wurde. In ihrer Schönheit, ihrer Morbidität, ihrer Zwecklosigkeit und in ihrem Zeugnis, dass es auch eine Form der Nachnutzung geben kann, die sich nicht in gängiger Währung ausdrücken lässt. Diese Gedichte haben es erreicht, die Augen zu öffnen, für die verborgene Schönheit, die dahinter steckt, die nicht ins Auge springt und dem Dichter und dem Leser zeigen, dass der „Luxus der Schönheit“ wie Peter von Matt die Lyrik bezeichnet hatte, ein ganz eigenartiger und vielfach zu entdeckender Luxus ist.

 

 

Hans Bäck, Kapfenberg am 26. 1. 2010

 

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Manfred Kolb | mfkolb@gmx.de